Briesnitz von oben

Turmbesteigungen

vom , verfasst von Arnfried Schlosser

Blick vom Briesnitzer Kirchturm auf die Elbe und die umliegenden Häuser. Im Hintergrund sieht man die Flügelwegbrücke.
Foto: Karin Holfert

Christian Thiele war von 1977 bis 2010 Kantor in der Kirchgemeinde Briesnitz und Kirchenmusikdirektor für den Kirchenbezirk Dresden-West. Er hat mit der vielfältigen und reichhaltigen Kirchenmusik sehr viel zur inneren und äußeren Entwicklung der Kirchgemeinde Briesnitz beigetragen. Sein Engagement ging aber auch weit über die Gestaltung der Kirchenmusik hinaus. Bereits 1999, weit vor seinem Ruhestand, hat er eine neue Initiative entwickelt: Die regelmäßigen Turmführungen an Sonnabenden von 18:00 bis 19:00 Uhr.

Interview mit Christian Thiele

Lieber Christian, wie bist du auf die Idee zu diesem Angebot gekommen?

Aus eigener Erfahrung, im Urlaub oder sonst wo, habe ich erlebt, dass vor allem evangelische Kirchen tagsüber geschlossen sind. Ausnahmen sind die großen Kirchen im Zentrum der Touristenstädte. So kam ich auf die Idee wenigstens eine Stunde in der Woche unsere schöne Kirche den interessierten Menschen zu öffnen.

Wie sind die Turmführungen organisiert?

Für die Aktion „Offene Kirche mit Turmbesteigung“ habe ich Gemeindeglieder angesprochen, die diese Idee unterstützen wollen und die Aufsicht an den Tagen mit übernehmen, wenigstens zwei Personen, unten im Eingangsbereich und auf dem Turm.
Spätestens im März schicke ich die Terminliste an zurzeit 18 Personen aus elf Familien, um die 26 Sonnabende zu besetzen. Diese müssen nicht unbedingt Kirchenführungen machen, aber Grundkenntnisse über unsere Kirchengeschichte haben. Ansonsten liegt dafür auch Infomaterial in der Turmhalle aus.

Wie ist es dir gelungen, Helferinnen und Helfer zu finden?

Da ich eine so lange Zeit in Briesnitz tätig war, kenne ich viele Menschen in der Gemeinde. Außer Kantorei-Mitgliedern sind es Menschen, mit denen ich ins Gespräch kam und ihr Mitmach-Interesse weckte. Gern können auch weitere dazukommen…

Welche Besonderheiten erwarten die Besucherinnen und Besucher im und auf dem Turm?

Anfang dieses Jahres habe ich mit einem aus der Helfer-Gruppe ein Faltblatt entworfen, das der Einladung dient und in der Gestaltung den Aufstieg mit seinen Sehenswürdigkeiten vorstellt: Nach 40 Stufen kommt das Turmzimmer mit dem Fragment des Marien-Flügel-Altars um 1450 und Gemälden einiger bedeutender Geistlicher, die in Briesnitz gewirkt haben. Nach weiteren 40 Steinstufen erwartet uns die Uhrenstube mit einer halb-modernen Uhr um 1960 und einigen Informationstafeln. Die nächste Holztreppe führt uns in die Glockenetage mit dem 2017 geweihten Reformations-Geläut, das im neu gebauten Eichen-Glockenstuhl hängt. Jede der drei Bronzeglocken erklingt einmal am Tag. Schließlich kommt nach Benutzen der alten Holzwendeltreppe die Plattform mit Außenrundgang, wo die Aussicht in alle Himmelsrichtungen einlädt: Ob die Sächsische Schweiz oder die Domtürme in Meißen, je nach Wetterlage gibt es einen faszinierenden Rundblick.

Wie werden die Führungen angenommen?

Die Aufsichtsperson unten führt eine Teilnehmerliste, die am Saisonende ausgewertet wird. Ein Durchschnitt von 9 bis 20 Personen sonnabends könnte durchaus noch eine Steigerung vertragen.
Inzwischen liegt in der Turmhalle auch eine kleine Broschüre aus, die Informationen zum Turm und zu unserer Kirche enthält.
Das schon oben erwähnte Faltblatt wurde in Geschäften und Hotels im Stadtbezirk und weiteren passenden Orten ausgelegt, um noch mehr Menschen neugierig auf die älteste Kirche auf der Altstädter Seite zu machen.
Vor zwei Jahren haben wir die 750-Jahrfeier unserer Kirche erlebt, der Standort Briesnitz ist aber schon über 1.000 Jahre alt, vom Meißner Markgrafen einst festgelegt.

Das Interview führte Arnfried Schlosser.

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