Cossebauder Steinzeiten
Steinmetzkurse
vom , verfasst von Katharina Strack
Wer ungeduldig ist und vom schnellen Erfolg träumt, für den ist der Steinmetzplatz unterhalb des Cossebauder Bergfriedhofs der falsche Ort. Oder ganz im Gegenteil. Denn in bald 15 Jahren Steinmetzkurs haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, von denen viele Jahr für Jahr wiederkommen, vor allem eines gelernt: Demut. Demut vor dem Stein, dessen Eigenheiten allmählich erschlossen werden müssen. Demut vor der Aufgabe, ihm behutsam und Schlag für Schlag mit dem großen oder kleinen Knüpfel das Kunstwerk zu entlocken, das im Kopf schon fertig ist. Das kann zwei Kurse dauern, drei oder auch mehr. An zwei oder drei langen Wochenenden im Juni und September verwandelt sich die idyllische Baumwiese am Bergfriedhof in einen von vielfachem leisen Hämmern erfüllten Ort. Jeder hat einen Platz gefunden und arbeitet konzentriert an einem Relief, einer Statue, einer Schale, einer Echse, einem Frauen- oder Männertorso. Alles ist erlaubt. Handschuhe, Schutzbrille und im besten Fall steinschlagsicheres Schuhwerk gehören zur Arbeitskleidung, Kaffee und ein belegtes Brot zur gemeinsamen Mittagspause, ein Radler für den Moment, wenn das Tagwerk vollbracht ist und alle staubig erschöpft noch etwas zusammensitzen. Immer griffbereit ist die große Plane, falls der Regen zum Kursbegleiter wird.
Kopf und Herz des Steinmetzkurses ist Astrid Goldhardt, gelernte Steinmetzin, studierte Bildhauerin, ausgebildete Kunsttherapeutin. Wer als Neuankömmling glaubt, ausgerüstet mit Feustel, Prell- und Spitzeisen, Zahneisen und so weiter unbeschwert loshämmern zu können, wird von ihr eines Besseren belehrt. Der Einsatz der richtigen Eisen will gelernt und geübt sein, genauso wie Geduld, wenn der irgendwann kantig behauene Stein allzu lange verbirgt, welches Kunstwerk in ihm steckt. Daneben die routinierten, noch immer lernenden „Alten“, die an ihrem Stein weiterarbeiten. Stets unter Astrid Goldhardts sicherem Blick, mit ihren Hinweisen und dem ein oder anderen das Werk rettenden Eingriff.
Wohlwollend von der Kirchgemeindevertretung begleitet und vom früheren Friedhofsmeister Frank Rump, selbst versiert in Steinmetzarbeiten, unermüdlich tatkräftig unterstützt, sind die Steinmetzkurse inzwischen Tradition. In zwei Ausstellungen 2018 und 2022 wurde präsentiert, welche Früchte Astrid Goldhardts Schule über die Jahre hervorgebracht hat: Kunstwerke von einer Qualität, die die Besucher überrascht und begeistert hat.
Ein im Kurs begonnenes Werk zu Hause weiterzubearbeiten, scheint reizlos zu sein. Zum Cossebauder Steinmetzen gehört die Gemeinschaft der kleinen Gruppe, die sich jeweils zusammenfindet, der Schwatz zwischendurch, das wertschätzende Begutachten der Fortschritte der anderen sowie Astrid Goldhardts kritisches Auge und ihr Humor. Auch die Sonne, die zwischen den Zweigen durchblitzt und der Blick über das Tal auf die andere Elbseite gehören dazu, ebenso der Moment, wenn nach einiger Zeit der meditativen Konzentration die angenehme Leere im Kopf kommt und sich eine innere Ruhe einstellt.
Katharina Strack
Nächster Kurs:
- 18. bis 21. Juni 2026
Cotta, Bergfriedhof
Kontakt: Astrid Goldhardt
Telefon: 0351 / 80 13 939