Ein Kompass für das Miteinander
Friedenslogik erklärt
vom , verfasst von Annelie Möller
Das christliche Friedenszeugnis, basierend auf der Bergpredigt Jesu, lädt uns dazu ein, Konflikte nicht als Bedrohung, sondern als Aufgabe zu verstehen.
Friedenslogik ist eine Methode, mit Konflikten umzugehen. Sie sieht Konflikte als komplexe soziale Prozesse, die verstanden und bearbeitet werden müssen. Es geht um die Ursachen und darum, alle Konfliktbeteiligten in Dialog, Mediation und zivile Konfliktbearbeitung einzubeziehen. Sie sieht Sicherheit als Grundbedürfnis, das nicht gegeneinander, sondern nur miteinander erreicht werden kann. Diese Methoden brauchen Zeit und Vertrauen, wirken aber nachhaltig. Konflikte werden nicht einfach mit einem Kompromiss beseitigt, sondern in etwas Konstruktives verwandelt, indem Strukturen und Beziehungen gerechter werden.
Dem gegenüber steht die Sicherheitslogik. Sie begreift Probleme primär als Bedrohungen von außen und setzt auf Gefahrenabwehr, Abgrenzung und militärische Abschreckung. Dabei ist das Ziel, die eigene Sicherheit und Stabilität zu sichern. Politisch schnappt hier oft die „Falle“ zu: Während das Militär als letztes Mittel bezeichnet wird, führen massive Vorabinvestitionen dazu, dass Militär doch früher als nötig eingesetzt wird, weil zivile Alternativen unterfinanziert bleiben und damit nicht greifen können.
Sicherheitslogik verfolgt kurzfristigere eigene Interessen, baut Zäune. Friedenslogik arbeitet langfristig, präventiv und mit den legitimen Interessen des Gegenübers, baut Brücken. Sie ist bereit, etwas zu wagen, mit einem weiten und globalen Blick. Friedenslogik beginnt im Kleinen: zum Beispiel wie wir in der Gemeinde streiten. Ich glaube nicht, dass Sicherheitslogik immer ungerechtfertigt ist. Wir müssen auch einen angemessenen Umgang mit illegitimen Interessen von anderen finden. Aktuell erleben wir allerdings, dass alle politischen Bereiche gefährlich der Sicherheitslogik untergeordnet werden und das friedenslogische Denken aus dem Blick gerät. Es ist an uns, diesen Kompass wieder neu auszurichten.
Annelie Möller,
Bildungsreferentin mit Schwerpunkt Frieden im Ökumenischen Informationszentrum e. V.