Ein warmer Ort in kalten Nächten

Dresdner Nachtcafé in Cotta

vom , verfasst von Matthias Weigel, Philipp Weismann

Ein Mann teilt Isomatten aus.
Foto: P. Weismann

Wenn die Temperaturen sinken und die Nächte lang werden, öffnet die Evangelisch-methodistische Immanuelkirche in Dresden-Cotta wieder ihre Türen für Menschen ohne Wohnung. Als Teil der Dresdner Wohnungslosen-Nachtcafés bietet sie von November bis März jeden Samstagabend einen geschützten Ort zum Ausruhen, Aufwärmen und Kraftschöpfen.

Seit 1995 organisieren die christlichen Kirchgemeinden Dresdens konfessionsübergreifend dieses besondere Angebot. Jeden Wochentag an einem anderen Platz von 19:00 bis 7:00 Uhr finden wohnungslose Erwachsene hier einen warmen Aufenthaltsort. Neben einer warmen Mahlzeit, Getränken und einem gemeinsamen Frühstück gibt es die Möglichkeit zu duschen, Wäsche zu waschen und einfach zur Ruhe zu kommen. Fachlich und organisatorisch wird das Projekt von der Diakonie Dresden begleitet. Möglich wird das Nachtcafé jedoch vor allem durch das Engagement vieler Ehrenamtlicher.

Zu ihnen gehören auch Gabi und Karl-Heinz Albert. Seit neun Jahren engagieren sie sich im Nachtcafé der Immanuelkirche. Die beiden sind in den Dresdner Gemeinden der Evangelisch-methodistischen Kirche zu Hause. „Die Bodenständigkeit und die weltoffene Verkündigung gefallen uns“, erzählen sie. Der Aufruf ihres Pastors, Helfer für das Nachtcafé zu suchen, habe sie damals zum Mitmachen bewegt. „Es war ein kalter Winter – wir hatten es warm. Wir wollten die Not anderer Menschen lindern.“

Die Aufgaben während eines Dienstes sind vielfältig. Schlafplätze werden vorbereitet, Kaffee und Tee gekocht, Mahlzeiten ausgegeben und bei Bedarf Kleidung gewaschen oder gegen warme Sachen ausgetauscht. Vor allem aber geht es darum, da zu sein. „Auf Fragen und Anliegen der Menschen eingehen und, wo es möglich ist, Hilfe anbieten“, beschreiben die beiden ihre Aufgabe.

Besonders in Erinnerung geblieben ist ihnen die Begegnung mit einem jungen obdachlosen Mann, der an einem eisigen Wintertag nur dünne Turnschuhe und eine leichte Sommerjacke trug. Gemeinsam fanden sie für ihn Winterstiefel und eine warme Jacke. „Er freute sich so, dass ihm die Tränen kamen“, erzählen sie. Nach dem Ende ihres Dienstes lief er ihnen sogar noch hinterher, um sich ein weiteres Mal zu bedanken.

Natürlich erleben die Ehrenamtlichen nicht nur einfache Situationen. „Auch bei unschönen Erlebnissen versuchen wir, ruhig und gelassen zu bleiben“, sagen Gabi und Karl-Heinz. Kraft gebe ihnen ihr Glaube. „Wir sind alle gleichwertige Geschöpfe Gottes. Jeder Mensch ist gleich viel wert – unabhängig davon, ob er viel oder wenig besitzt.“

Das Engagement verändert auch den eigenen Blick auf das Leben. „Man wird demütiger und viel zufriedener mit den Dingen, die man hat“, berichten sie. Gleichzeitig schätzen sie die Gemeinschaft der Ehrenamtlichen, die sich gegenseitig unterstützt und einmal im Jahr beim gemeinsamen Sommergrillen Danke sagt.

Wer darüber nachdenkt, selbst mitzuarbeiten, dem machen die beiden Mut: „Beginne einfach deinen Dienst. Du bekommst Hilfe von den anderen und findest Freude daran. Du spürst, dass das, was du machst, wichtig ist.“

Matthias Weigel, Philipp Weismann

Mitmachen und unterstützen

Das nächste Treffen für neue und erfahrene Ehrenamtliche findet am Donnerstag, 1. Oktober, um 19:30 Uhr in der Immanuelkirche statt. Dort werden die Einsätze vorbereitet, organisatorische Fragen geklärt und neue Mitarbeitende herzlich willkommen geheißen. Wer das Nachtcafé unterstützen möchte, kann sich entweder selbst als Ehrenamtlicher einbringen oder das Projekt finanziell fördern – etwa durch Einkäufe über das Bildungsspender-Portal

oder mit einer Spende an die Immanuelkirchgemeinde

Verwendungszweck „Obdachlosen-Nachtcafé“
IBAN DE41 3506 0190 1620 6900 11
BIC GENODED1DKD

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