Einfach mal eine längere Zeit weg sein
Mathias Strek erzählt über sein Sabbatical
vom , verfasst von Conrad Jenschke
Für ein halbes Jahr hat sich Gemeindepädagoge Mathias Strek eine berufliche Auszeit genommen und ist allein mit dem Kleinbus durch Europa gereist. Im Gespräch erzählt er, was ihn dazu bewogen hat, was er erlebt hat und was die Zeit mit ihm gemacht hat.
Interview mit Mathias Strek
Gab es einen Auslöser? Warum hast du gesagt: Jetzt mache ich das?
Einen inneren Auslöser gab es eigentlich nicht. Es war eher die neue arbeitsrechtliche Möglichkeit, dass Gemeindepädagoginnen und -pädagogen eine „berufliche Auszeit“ nehmen dürfen. Viele Leute waren nach dem Abi lange unterwegs, hatten Auslandsjahre oder Erasmus – das hatte ich alles nie. Ich war da ein bisschen neidisch und dachte: Das möchte ich auch einmal machen. Also habe ich es einfach beantragt – vermutlich als Erster in meinem Kollegenkreis.
Einen perfekten Zeitpunkt gibt es sowieso nie, also habe ich es gemacht.
Hattest du konkrete Vorstellungen oder eine Vorbereitung?
Mein einziges großes Ziel war: Ich will nach Griechenland. Sonst war es eher pragmatisch. Ich habe mir Anfang des Jahres das Auto gekauft und bin losgefahren. Es gab ein paar Fixpunkte – Taizé im Juli, Kroatien im September – aber keine inhaltliche Vorbereitung.
Organisatorisch musste ich es beantragen und hatte davor eine Ansparphase. Ab Mai war ich unterwegs: Erst Tschechien und Polen, dann einmal um die Ostsee bis zum Nordkap, die norwegische Küste runter, später Frankreich, Schweiz, Italien, Kroatien und die Adria entlang bis Griechenland. Ein klassischer Roadtrip: 26.000 Kilometer, 22 Länder, fünfeinhalb Monate.
-
Thermopylen, Griechenland -
Warschau, Polen
Wie hast du die Zeit erlebt?
Am Anfang war alles neu: das Auto, die Freiheit, das Alleinreisen. Die ersten zwei Wochen war ich mit Orientierung beschäftigt, aber dann hatte ich richtig Lust darauf. Ich blieb an Orten, solange ich wollte – je nachdem, wie schön es war oder wen ich dort traf. Ich sage gern: „Ein Ort ist immer nur so gut wie die Menschen, die man dort kennt.“
Du hattest also auch Begegnungen?
Ja, viele. Alleine sein liegt mir nicht so, deshalb habe ich unterwegs oft andere Reisende kennengelernt – bei Citytouren oder auf Stellplätzen. Manchmal haben wir ein paar Tage zusammen verbracht oder ein Stück der Route gemeinsam gemacht. Es gab viele schöne, inspirierende Begegnungen.
Gab es besondere oder überraschende Momente?
Nicht im negativen Sinne. Venedig war die größte positive Überraschung. Ich hatte Schlimmes erwartet und fand es dann erstaunlich schön – vor allem abseits der Hauptinsel. Insgesamt waren es die vielen kleinen, zwischenmenschlichen Momente, die prägend waren.
Konntest du Dinge tun, die im Alltag keinen Platz haben?
Auf jeden Fall. Ich habe fast keinen Kaffee mehr getrunken, viel gelesen und meinen Rhythmus komplett an das Unterwegssein angepasst. Die größte Veränderung war aber im Kopf: komplett frei sein zu können, ohne ständig an Arbeit zu denken. Das kann ich im Alltag nie zu 100 % abschalten. Die Umgewöhnung – keine Termine haben – war anfangs ungewohnt, aber gut.
Hattest du Sorgen unterwegs?
Nicht wirklich. Ich hatte mein Zimmer untervermietet – es gab gar nicht die Option abzubrechen. Zwei Pannen gab es: einmal in Estland, einmal zwei Reifen in Albanien. Aber alles lösbar.
Verging die Zeit schnell?
Ja. Die Zwischenziele haben geholfen. Gegen Herbst wurde es dann kalt, und da war es auch gut, dass die Zeit zu Ende ging. Ich hätte ein paar Wochen dranhängen können – aber dann eher im Süden.
Wie war die Rückkehr?
Sehr schön. Alle haben sich gefreut, der Wiedereinstieg war entspannt, alles war vorbereitet. Danach war es wieder volles Programm, aber ich lasse mich generell nicht stressen. Ich habe viel Ruhe aus der Reise mitgebracht.
Was nimmst du aus dem Sabbatical mit?
Ich bin erholter und habe viele Eindrücke gesammelt, die mich kreativer machen. Ich war sicher nicht das letzte Mal unterwegs. Die Lust am Reisen ist richtig geweckt, und viele Orte habe ich nur gestreift – dorthin möchte ich irgendwann noch einmal ausführlicher zurück.
Hast du Eindrücke aus der Spiritualität anderer Länder mitgenommen?
Ja, sehr. Kirchen, Friedhöfe, Religiosität – das war überall anders, in Polen sehr präsent, in Skandinavien viel zurückhaltender, in Griechenland mit den orthodoxen Kirchen wieder ganz anders. Ein orthodoxer Gottesdienst in Montenegro war für mich völlig fremd – faszinierend, aber auch schwer greifbar. Es waren unglaublich viele Eindrücke, um alles sofort zu verarbeiten.
Hast du Tagebuch geführt?
Nicht klassisch. Ich hatte eine Signalgruppe, in die ich Fotos und kurze Eindrücke geschickt habe. Das war mein „Reisetagebuch“. Ein Fotoalbum will ich noch machen – das wird etwas dauern bei mehreren tausend Bildern.
Das Interview führte Conrad Jenschke.