Farbenpracht statt Schwarzmalerei

Sanierungsarbeiten auf dem neuen Annenfriedhof

vom , verfasst von Lara Schink

Friedhöfe sind für uns heute oft traurige, düstere Orte. Doch was ist, wenn sie anders gedacht waren und mit bunten Farben von Hoffnung erzählen und Trost spenden sollten?

Der Neue Annenfriedhof an der Kesselsdorfer Straße ist geprägt von schwarzen Obelisken und Hochkreuzen. Ein Wandel in der Beziehung zu Trauer und Tod setzte im frühen 20. Jahrhundert ein und zeigte sich in der Grabgestaltung, aber auch am Gebäude: Bei einer Umgestaltung 1931 wurde das Deckengebälk der Gruftarkaden grau gestrichen, mit schwarz-beiger Ornamentik in starren, ernsten Formen. Bei einer Restaurierung konnte 2024 die frühere Bemalung von 1875 freigelegt werden: Blumen in leuchtendem Rot und Blau [1]!

Von der lebhaften Gestaltung des Hauptgebäudes erzählen auch die farbigen Putzflächen der Wandgräber. Selbst die historischen Grabgitter waren nicht immer grau: an der Rückseite des Ostflügels findet sich ein türkisfarbener Zaun. Er wurde vom Freundeskreis der Annenfriedhöfe Dresden e. V. nach historischen Farbbefunden gestrichen [2], die alle überraschten. Sicher vor allem, weil wir solche Zäune fast nur verrostet oder von Schwarzweißfotos kennen.

2025 konnte die Feierhalle umfassend saniert werden [3]. Dabei stellte sich bei Untersuchungen im Ostflügel und an Lüftungsgittern heraus, dass auch hier prachtvolle Deckenmalereien zu finden waren: Ornamentbänder und dunkelblaue Rankmuster auf hellblauem Grund. Die Befunde wurden in der neuen Farbigkeit der Feierhalle aufgegriffen. 2026 sollen weitere Untersuchungen erfolgen und in einer Musterfläche münden. So wird die frühere Gestaltung für uns und kommende Generationen erhalten bleiben und damit weiter sichtbar sein, dass Trauer zwar düster ist, aber auch Dankbarkeit für das Leben bedeutet und Gräber nicht nur von Schmerz, sondern auch von Hoffnung erzählen.

Lara Schink,
Leiterin des Verbands der Annenfriedhöfe


[1] Die Maßnahme wurde gefördert durch Mittel der Landeshauptstadt Dresden und des Freistaats Sachsen, hier: Amt für Stadtgrün und Abfallwirtschaft sowie Amt für Kultur und Denkmalschutz.
[2] Die Maßnahme wurde gefördert durch Mittel der Landeshauptstadt Dresden, hier: Stadtbezirksamt Cotta.
[3] Die Maßnahme wurde gefördert durch Mittel der Landeshauptstadt Dresden, hier: Amt für Stadtgrün und Abfallwirtschaft.

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