Fest des Lebens
vom , verfasst von Pfarrer Diethelm Eckhardt
Zum Fest waren sie in die Stadt gekommen. Der Auftakt war großartig. Jesus hatte es dieses Mal zugelassen, dass die Leute ihn lautstark begrüßten: „Gelobt sei, der da kommt im Namen des HERRN“ (Lk 19, 38). Einen großen Raum für das Festessen stellte ihnen jemand spontan zur Verfügung. Petrus und Johannes bereiteten alles vor. Sie wollten das Passa miteinander feiern. Doch dann bekamen sie ein dumpfes Gefühl bei Jesu Worten, die er zum Verteilen des Brotes sprach: Ein zerbrochener Leib und vergossenes Blut passten nicht in die Feststimmung.
Wenig später nahmen die Ereignisse ihren Lauf. Wie ein schlimmer Albtraum standen die Bilder immer wieder vor ihnen. So ängstlich hatten sie Jesus nie erlebt wie bei diesem Ringen im Gebet im Garten Gethsemane. Dann ging es Schlag auf Schlag: Verhaftung, Verhör, Schläge, Folter, Dornenkrone, Verspottung. Hin- und hergeschickt zwischen den Instanzen: Hoher Rat, römischer Gouverneur Pilatus, Provinzkönig Herodes und zurück (Lk 23, 6-12). Das Todesurteil stand schon vorher fest, doch keiner wollte die Verantwortung übernehmen. Schließlich hatte man Pilatus soweit – eine Hinrichtung mehr oder weniger, machte ihm nichts aus. Sofortige Vollstreckung am Kreuz, die schmählichste Art der Exekution.
Am Ende der grausamen Tortur waren alle schnell davongelaufen. Nur der Kern der Freunde, elf Jünger und wenige andere, trafen sich wieder. Traumatisiert blieben sie beieinander. Diesen Freitag würden sie nie vergessen, ihnen war zum Heulen – Karfreitag. Wie gelähmt saßen sie zusammen.
Der Albtraum ließ sie nicht los. Immer wieder standen ihnen die Bilder vor Augen – schon die zweite Nacht lang. Gegen Morgen hatten sich einige Frauen aufgemacht, das Notwendige zu tun. Eine ordentliche Bestattung mit Waschen, Kämmen, Salben des Leichnams war in der Eile nicht möglich gewesen. Das wollten sie nachholen – früh, zeitig, bevor sich die Gassen der Stadt belebten und andere sie sahen.
Doch dieser Sonntagmorgen sollte krass anders werden als gedacht. Das Johannes-Evangelium berichtet: Maria von Magdala kam zu den Jüngern und verkündete ihnen: „Ich habe den Herrn gesehen.“ Und sie berichtete, was er ihr gesagt hatte (Joh 20, 18). Unbegreiflich! Kann man das glauben? In den Ohren klangen noch die Hammerschläge, die Rufe der Soldaten, der Lanzenstich. Alle hatten es gesehen: die grausamen Bilder – den Tod.
Es braucht seine Zeit, bis Trauer, Trauma und Wehmut Platz machen für ein neues Gefühl. Konnte das wahr sein? Mehrere Begegnungen mit dem Auferstandenen machten es schließlich zur Gewissheit: Jesus lebt! Gott hat ihn auferweckt.
Was den Jüngern damals schwer fiel, ist für uns heute genauso schwer zu begreifen. Wir sehen Bilder von Krieg, Zerstörung, Tod. Manche Berichte lassen uns erahnen, wieviel Leid und Grausamkeit damit verbunden sind. Ich fühle, wie schwer es mir dabei ums Herz wird.
Und doch weiß ich, dass mein Erlöser lebt!
Hiob 19, 25
Trotz aller Kriege und Grausamkeiten dieser Welt gilt mir die Gnade und das Heil unseres Herrn Jesus Christus! Er ist auferstanden! Er lebt! Und in der Verbindung mit ihm werden alle lähmenden Albträume von einem anderen Licht überstrahlt. Die aufgehende Sonne des Ostermorgens lässt hinter den Schatten von Kreuz, Krieg, Krankheit und Leid eine neue Lebensperspektive aufleuchten. Erfüllt von dieser Hoffnung kann und will ich leben. Die Freude darüber möchte ich gern mit anderen teilen: Ostern – ein Fest des Lebens, trotz lebensfeindlicher Ereignisse in unserer Welt.
Pfarrer Diethelm Eckhardt