Gut war’s – aber nun ist es gut.
Mitarbeit im Kirchenvorstand
vom , verfasst von Tobias Rösler
Energisch sind sich die beiden Frauen einig: „Der Kirchenvorstand ist kein Gesprächskreis. Der Kirchenvorstand ist vielmehr das ,entscheidende‘ Gremium der Kirchgemeinde, in unserem Fall, des Kirchspiels. Da geht es zur Sache, und das ist gut so.“ Aus dieser übereinstimmenden Ansicht sprechen zusammen ungefähr 60 Jahre Erfahrung.
Schon 1972 ist Rosemarie Scobel auf ihre Kirchenvorstands-Laufbahn eingebogen, als Jugend-Vertreterin der Friedens-Kirchgemeinde. Dort war damals irgendwie alles eins: Schnell hatte die Jugend auch ein Blechblasinstrument in der Hand. Und zum Kirchenvorstand war es dann nicht mehr weit. In ihrer Mutter hatte Rosemarie zudem ein vertrautes Beispiel für das Mittun in der Gemeinde. Der Konziliare Prozess für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung sowie die Veränderungen nach 1990 waren dann besonders herausfordernde Zeiten, die sich ihr eingeprägt haben. Und die auch Kraft gekostet haben, sodass die gestandene Kirchvorsteherin 1996 mal eine KV-Pause einlegen musste.
In genau diesem Jahr hat die Pfarrerstochter Ulrike Rüdiger die KV-Mitarbeit in der Heilands-Kirchgemeinde aufgenommen. Es war der Start in eine Zeit, die zunehmend von Strukturveränderungen geprägt wurde. Das Schwesterkirchverhältnis mit Briesnitz war auch ein anstrengender Lernprozess, der schließlich in die Bildung des Kirchspiels mündete. Da standen immer wieder wichtige Entscheidungen an. Und sehr verschiedene Pfarr-Persönlichkeiten haben diesen Weg mitgeprägt.
Warum lädt man sich so etwas auf? Warum ist die Mitarbeit im Kirchenvorstand eine Option? Die Antworten der beiden Frauen sind unmissverständlich: „Im Kirchenvorstand kann man mitbestimmen“, fasst Ulrike Rüdiger zusammen. „Und wem der Weg der Kirchgemeinde wichtig ist, für die ist dieses Gremium, in Verbindung mit der Kirchgemeindevertretung, der richtige Platz. Die Beschlüsse muss ja auch jemand fassen“, bestätigt Rosemarie Scobel. Und außerdem geschieht „das alles ganz einfach und vor allem zur Ehre Gottes.“
Die beiden Frauen kennen sich seit etwa vier Jahren durch die gemeinsame Arbeit im Kirchenvorstand, also seit der gemeinsamen Zeit im Kirchspiel. Rosemarie Scobel hatte schon die Vereinigung der beiden Kirchgemeinden Frieden und Hoffnung miterlebt. Es war nicht einfach, erinnert sie sich. Nun gibt es wieder eine andere, noch größere Struktur. Die beiden haben diese längst schätzen gelernt, sich gegenseitig auch. Von Offenheit sprechen sie, und von Vertrauen. Das prägt die Arbeit im Kirchenvorstand und im Kirchspiel insgesamt. Das ist auch enorm wichtig angesichts der Aufgaben und Richtungsentscheidungen. Die beiden KV-Erfahrenen erinnern sich gern an die Höhepunkte ihrer Zeit: Da sind die Momente des Erfolges, wenn etwas in neuem Glanz erstrahlte und die Gemeinde zum Fest zusammenkam. Auch dass Demokratie ein guter Weg ist, selbst wenn sich eine andere Sicht durchsetzt. Auf der anderen Seite stehen Situationen, die sie als belastend in Erinnerung haben: Etwa, wenn es aus einem Konflikt heraus zu einer Trennung von einem Mitarbeiter kommen musste. Es braucht, so sagen sie, einfach ein gutes Gremium, das in den Kirchgemeinden verankert ist, eine gemeinsame Perspektive sucht und in allem Bemühen um die tragende Mitte weiß: Die Gnade und die Treue Gottes.
Diese Mitte wollen die beiden Frauen gern weiter mittragen. Zur diesjährigen Wahl wollen sie jedoch nicht mehr kandidieren. Es war gut, wie es war. Nun ist es aber auch gut. Sie wollen und werden ihre Plätze räumen für jüngere Menschen, die in den kommenden Entscheidungen mit Kraft und ihrer Stimme verantwortlich präsent sind. Dass die beiden Frauen im selben Jahrgang sind, spielt bei ihrer je eigenen Entscheidung keine Rolle. Aber „der Kirchenvorstand ist nun mal kein Gesprächskreis.“ Und zusätzliche Aufgaben wie der Vorsitz im Verbandsvorstand der Annenfriedhöfe oder im Friedhofsausschuss in Cotta verlangen auch zusätzliche Energie. Ja, die gemeinsame Arbeit ist bereichernd und die gute Gemeinschaft eine Ermutigung. Das macht ihnen ihre Entscheidung auch nicht gerade leicht. Zugleich sehen sie darin eine gute Grundlage für Nachfolgende, in ihre Fußstapfen zu treten. Dazu laden sie herzlich gern und zuversichtlich ein. Es muss auch nicht alles auf einmal und für ein halbes Leben sein!
Tobias Rösler