Klangräume zwischen Andacht, Konzert und Gemeinschaft

Sommerliche Abendmusiken

vom , verfasst von Conrad Jenschke

Foto: John Mark Strange (unsplash.com)

Wenn an warmen Sonntagabenden Musik durch die Kirchenräume des Kirchspiels klingt, entsteht eine besondere Atmosphäre: ruhig und getragen – oder lebendig und überraschend. Seit vier Jahren laden die Sommerlichen Abendmusiken dazu ein, den Tag ausklingen zu lassen – zwischen Andacht und Konzert, zwischen Besinnung und Begegnung.
Entstanden ist das Format aus einer einfachen Beobachtung: Die klassischen Abendgottesdienste waren in den Sommermonaten nur schwach besucht. Gleichzeitig bieten die sechs Kirchen unseres Kirchspiels eine große Vielfalt an besonderen Räumen. Daraus entwickelte sich die Idee, Musik stärker in den Mittelpunkt zu stellen und neue Zugänge zu schaffen. „Es wäre doch schade, wenn diese besonderen Orte ungenutzt blieben“, sagt Initiator Kantor Jonathan Auerbach.

Es entstand eine Reihe, die bewusst offen angelegt ist. Mal treten professionelle Musikerinnen und Musiker auf, wie Philipp Zeller, Solo-Fagottist der Staatskapelle Dresden oder ein Projekt-Bläserensemble von engagierten Laien aus dem Kirchspiel. Die Programme reichen von klassischer Musik bis hin zu literarisch-musikalischen Formaten, wie das von Ursula Kurze im vergangenen Jahr in der Friedenskirche. Dabei bleibt der geistliche Rahmen erhalten – mit einem gemeinsamen Lied und einem Gebet, während sich die Gewichtung zwischen Andacht und Konzert je nach Abend verschiebt. „Ein bisschen von allem und bei jeder Sommerlichen Abendmusik ein bisschen anders“, beschreibt Auerbach dieses Zusammenspiel.

Die Offenheit zeigt sich auch in der Organisation: Ein festes Konzept für Stilrichtungen oder Besetzungen gibt es nicht. Vielmehr entstehen die Programme oft aus den Möglichkeiten heraus – wer verfügbar ist und welcher Raum sich eignet. Gerade diese Flexibilität ermöglicht es, immer wieder neue Akzente zu setzen. Gleichzeitig war es von Anfang an ein Anliegen, auch regionale Musikerinnen und Musiker einzubinden: „Mir war vor allen Dingen wichtig, die Potenziale im Kirchspiel zu entdecken.“

Dass die Sommerlichen Abendmusiken die Menschen erreichen, zeigt sich ganz unmittelbar: Die Abende sind sehr gut besucht. „Ich dachte nicht, dass sich so viele Menschen einladen lassen“, sagt Auerbach selbst überrascht. Offenbar trifft die Mischung aus Musik und geistlichem Impuls einen Nerv – und bringt Menschen aus dem Kirchspiel zusammen, unabhängig davon, aus welcher Gemeinde sie kommen.

Unvergessen ist für ihn ein Abend mit barocker Naturtrompete und Gesang im Gorbitzer Gemeindezentrum – kurzfristig organisiert, mit wenig Probenzeit und dennoch ein großer Erfolg. „Wer hätte gedacht, dass das so funktioniert?“ Solche Momente zeigen, welches Potenzial in dem Format steckt.
Die Sommerlichen Abendmusiken sind damit längst mehr als ein Ersatz für klassische Abendgottesdienste: Sie sind zu einem festen Bestandteil des Gemeindelebens geworden – und zu einem Ort, an dem Musik verbindet. Auch in diesem Sommer laden sie wieder dazu ein, den Sonntagabend in besonderer Atmosphäre ausklingen zu lassen – mit vielfältigen Programmen, neuen Begegnungen und der Freude an gemeinsamer Musik.

Conrad Jenschke

Termine:

  • Blech im Sommerlicht
    Sommerliche Klangreise für Trompeten, Posaunen und Tuba
    Sonntag 5. Juli
    18:00 Uhr Gorbitz, Gemeindezentrum

  • Blechmusik von Alt bis Neu
    mit dem Ensemble Groschenmusik
    Sonntag 12. Juli
    18:00 Uhr Löbtau, Hoffnungskirche

  • Zwischen Ewigkeit und Aufbruch
    mit einem Vokalensemble der Hochschule für Musik Dresden und Stücken von Palestrina, Lauridsen und Britten, unter der Leitung von Conrad Hanz
    Sonntag 19. Juli
    18:00 Uhr Briesnitz, Kirche

  • Zauberwort und Orgelklang
    mit Andreas Kastl
    Sonntag 26. Juli
    18:00 Uhr Cossebaude, Kirche

  • Von Barock bis Tango
    Kammermusik für Klavier, Cello und Klarinette
    mit Ebba Wagner, Detlef Prussak und Anne Scheibler
    Sonntag 2. August
    18:00 Uhr Cotta, Heilandskirche

  • Instrumentalwerke von Purcell, Hassler, Praetorius und Tallis
    mit dem Ensemble für Alte Musik „Cantilena“
    Sonntag 9. August
    18:00 Uhr Gorbitz, Gemeindezentrum

  • Kurt Tucholsky: „Etwas bleibt immer zurück“
    Musikalisch-Literarisches Dichterportät
    mit Ursula Kurze (Gitarre, Gesang, Rezitation)
    Sonntag 16. August
    18:00 Uhr Löbtau, Friedenskirche
⟦MEILISEARCH_META⟧ page_priority=1 | page_searchimage=2739ad18-5db6-11f1-8352-fb1682b1f0af ⟦/MEILISEARCH_META⟧