Mitwirken an der Leitung der Kirchgemeinde
Kirchenvorstandswahlen
vom , verfasst von Tobias Rösler
Es gibt sie an so vielen Stellen bei uns in den Kirchgemeinden: Menschen, die Tische rücken, sich nach Unkraut bücken, durch ihren Besuch beglücken, Sitzungsbänke drücken, mit Musik entzücken … Ohne sie ist Kirche gar nicht vorstellbar. Wo Gottes Wort in der Welt hörbar und erlebbar ist, ist Kirche. Wenn das auf ein Hauptamt konzentriert sein sollte, wäre das für die Kirche ein Armutsrisiko.
Im Zuge von „Kirche im Wandel“ werden die aktuellen Herausforderungen genau und konsequent betrachtet. Dazu gehört auch, dass sich Ehren- und Hauptamt in ein neues Verhältnis setzen können oder sollten. 2026 stehen wieder Kirchenvorstandswahlen in der Landeskirche an. Wir brauchen weiterhin Menschen, die bereit sind, eine grundlegende und zugleich weitsichtige Verantwortung zu tragen, aus eigener Begabung und mit Gottes Hilfe.
Drei derzeitige Aktive stellen sich mit ihren Gedanken vor und geben einen Einblick in das, was ihnen die Mitwirkung an der Leitung der Kirchgemeinde oder des Kirchspiels bedeutet.
Thomas Friedrich, Vorsitzender der Kirchgemeindevertretung der Philippus-Kirchgemeinde Gorbitz
Angefangen habe ich im Projektchor und als Lektor. Dann kam der Technikdienst dazu, die Kirchgemeindevertretung und 2020 der Vorsitz.
Als Teil der Gemeinschaft liegt mir viel daran, dass sich alle zugehörig und wohl fühlen. Ich sehe mich in einer Mittlerrolle, um die Anliegen der Gemeinde dorthin zu bringen, wo sie angegangen werden. Wenn ich dann erlebe, dass andere mit anpacken, dass sie ihre Meinung sagen und mit mir nach Lösungen suchen, dann stärkt das mein Engagement. Am liebsten stehe ich aber am Mischpult und sorge für guten Ton. Oder ich begrüße die Besucher an der Eingangstür.
Damit das Ehrenamt eine tragende Kraft unserer Kirche sein kann, müssten sich noch mehr aktiv einbringen, als es der Fall ist. Andernfalls würde das zu einer noch höheren Belastung für die Engagierten führen. Wichtig ist auch, die Kompetenzen zu vermitteln, die für die verantwortungsvollen Aufgaben nötig sind. Ich hoffe, dass diese Dinge mitgedacht und entsprechend entwickelt werden.
Gabriele Ruder-Danz, Mitglied der Kirchgemeindevertretung der Kirchgemeinde Cossebaude und des Kirchenvorstands
Als wir herzogen, hat uns die Kirchgemeinde Cossebaude willkommen geheißen. Das war für uns ein großer Schatz. Allerdings war ich so ausgelastet, dass ich nur bei besonderen Anlässen aushalf. 2020 wurde mein Mann angefragt, für den Kirchenvorstand zu kandidieren. Er war voll ausgelastet. Ich aber hatte Zeit und Lust, denn ich war gerade Rentnerin geworden.
Ich will etwas tun, damit Zugezogene sich bei uns willkommen fühlen und eine Lebendigkeit spüren. Gern würde ich mehr über Grundfragen des Gottesdienstes diskutieren. Praktisch ist die Zeit ausgefüllt mit Organisation und ganz alltäglichen Problemen, die in der Kirchgemeinde anfallen. Das sind natürlich auch wichtige Themen.
Viele Ehrenamtliche arbeiten an vielen Stellen in unserer Kirchgemeinde. Das ist auch ein großer Schatz. Es kann aber nicht sein, dass immer mehr Ehrenamt „gefordert“ wird, aber das Landeskirchenamt bestimmt. Kirche im Wandel heißt für mich, dass alle Ebenen sich verändern müssen.
Christoph Hübler, Vorsitzender der Kirchgemeindevertretung Frieden und Hoffnung Löbtau
In die Kirchgemeindevertretung wurde ich 2024 nachberufen und im Januar zum neuen Vorsitzenden gewählt. Außerdem singe ich im Kirchenchor, helfe beim Kirchenkaffee und trage Gemeindebriefe aus.
Ich finde es total spannend, Einblicke in das Innenleben meiner Gemeinde zu bekommen. Zudem finde ich, dass es bei uns in der Gemeinschaft einfach gut zusammenpasst.
Eine Stärkung des Ehrenamtes ist notwendig, weil es in Zukunft gar nicht anders gehen wird. Es gibt heute schon Gemeindeglieder, die prägend für ihre Gemeinde sind. Wichtig finde ich, dass es gute Bildungsangebote für diejenigen gibt, die sich neue Tätigkeitsfelder erschließen wollen. Trotz einer zunehmenden Verlagerung von Tätigkeiten ins Ehrenamt kommt dem Hauptamt hier eine besondere Bedeutung zu.
Das Verhältnis von Kirchgemeinde und Kirchspiel erlebe ich positiv. Manchmal braucht es Überzeugungsarbeit, wenn Traditionen an gemeinsame Regelungen angepasst werden sollen. Jedoch haben das Kirchspielfest oder Auftritte aller Chöre viel zum Zusammenwachsen des Kirchspiels beigetragen.
Sie wollen etwas bewegen? Dann machen Sie mit! Im Kirchenvorstand kann man aktiv mitentscheiden, wie sich die Gemeinde entwickelt – sei es bei Gottesdiensten, Veranstaltungen oder sozialen Projekten. Man darf Verantwortung übernehmen: für Finanzen, Personal und die Zukunft der Gemeinde. Und natürlich geht es darum, Gemeinschaft zu erleben: Die Arbeit im Kirchenvorstand verbindet – mit anderen Engagierten, der Gemeindeleitung und den Menschen vor Ort.
Unsere Kirchengemeinden leben von Menschen, die sich engagieren. Wenn Sie Interesse haben, mitzugestalten und Kirche lebendig zu halten, dann melden Sie sich bei uns! Wir freuen uns über alle, die Interesse an der Mitarbeit im Kirchenvorstand haben – ganz egal, ob jung oder alt, neu dabei oder schon lange verbunden.
Pfarrer Tobias Rösler