Werte, die den Unterschied machen

Christsein im Chefsessel

vom , verfasst von Susanne Uhl und Margarete Aichinger

Blick durch die Tür in ein gehobenes Büro. Man sieht einen aufgeräumten Schreibtisch mit einem Chefsessel.
Foto: Francesco Liotti (unsplash.com)

Unternehmer und Christ – Wie geht das zusammen? Christliche Werte wie Nächstenliebe, Respekt und Demut sind nicht nur Teil eines persönlichen Glaubenslebens, sondern können auch die Art und Weise, wie Unternehmen geführt werden, prägen. Doch was unterscheidet einen christlichen Unternehmer von einem „netten“ Chef? Vier Unternehmer aus dem Ev.-Luth. Kirchspiel Dresden West geben Einblick in ihre Erfahrungen.

Ein zentraler Unterschied zwischen moralischen und christlichen Werten liegt in ihrer Quelle. Während moralische Werte oft auf gesellschaftlichen Normen beruhen, haben christliche Werte ihren Ursprung in der Nachfolge Jesu Christi. Werte wie Nächstenliebe, Vergebung und Verantwortung basieren direkt auf biblischen Lehren.
Thomas Fröhner, Geschäftsführer eines Ingenieurbüros, bringt es auf den Punkt: „Jesus hält uns dazu an, Vergebung und Mitgefühl in jeder Situation in unendlicher Größe zur Verfügung zu stellen – das erfordert eine Haltung der Selbstrücknahme und Verantwortung.“

Für den Tiefbauingenieur mit eigenem Ingenieurbüro ist der christliche Glaube untrennbar mit seiner Rolle als Unternehmer verbunden. „Ich bin zuerst Christ, dann Unternehmer“, betont er. Dieser Glaube prägt nicht nur seine persönliche Sichtweise, sondern auch seine beruflichen Entscheidungen. So formuliert er beispielsweise drei zentrale Prinzipien für die Auswahl seiner Mitarbeiter: „Verbindlich, verantwortlich, verlässlich – das sind meine drei V‘s.“ Dabei stellt er klar, dass der Glaube keine Voraussetzung für eine Anstellung ist: „Ich missioniere nicht, aber wer länger mit mir arbeitet, bekommt schon mal eine Geschichte oder ein Bibelzitat mit.“

Fröhners Betonung der Werte, die über Fachkompetenz hinausgehen, spiegelt sich auch in der Herangehensweise von Matthias Zöbisch, Prokurist und Bereichsleiter Planung bei der VCDB, wider. Er setzt in der Führung ebenfalls auf mehr als nur technische Expertise. Für ihn ist es entscheidend, ob jemand zur Kultur des Unternehmens passt. „Wenn jemand kein Teamplayer ist, nützt die beste Fachlichkeit nichts. Das führt nur zu Belastung im Team.“

Für Udo Hinkel sind die zwischenmenschlichen Beziehungen und das gegenseitige Vertrauen ebenso unverzichtbar wie die fachliche Zusammenarbeit. Gerade in schwierigen Zeiten schöpft der Bauingenieur und Unternehmensinhaber bei der IGC GmbH Kraft aus seinem Glauben und erlebt den Arbeitsplatz nicht nur als Ort des Geldverdienens, sondern als Ort des Austausches, des Beistandes und der Gemeinschaft. Offenheit und Wohlwollen sind ihm wichtig. „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen“ (1. Kor 13,13). Dieser Bibelvers hängt im Büro gut sichtbar. „Wir müssen als Unternehmer den Mut haben, Menschen als ganze Wesen zu betrachten – mit all ihren Stärken und Schwächen.“

Matthias Zöbisch betont einen weiteren Aspekt christlicher Unternehmensführung: die Demut. Als Geschäftsführer eines Unternehmens mit 110 Mitarbeitern sieht er sich in der Verantwortung, ein Arbeitsumfeld zu schaffen, in dem Geben und Nehmen in Balance stehen. Zöbisch spricht offen über seinen Glauben, auch wenn seine Mitgeschäftsführer nicht christlich sind. Für ihn ist entscheidend, dass Werte wie Mitmenschlichkeit und Respekt im Unternehmen gelebt werden. Dabei orientiert er sich an einem Wort Jesu, das ihn besonders in schwierigen Situationen begleitet: „Was du dem Geringsten von mir antust, das tust du mir an.“ Gerade wenn herausfordernde Entscheidungen getroffen werden müssen, erinnert ihn dieser Vers daran, innezuhalten und mit Bedacht zu handeln.

Auch im täglichen Miteinander setzt er auf eine wertschätzende Kommunikation. „Miteinander reden ist essenziell. Mitarbeiter müssen wissen, dass sie gehört werden.“ Dazu gehört auch, Kritik offen auszusprechen, aber immer mit Respekt.

Während Werte wie Mitgefühl, Demut und Gemeinschaft das Fundament einer christlichen Unternehmenskultur bilden, bleibt eine Herausforderung bestehen: Wie geht man mit Veränderungen und Unsicherheiten um? Hier bringt Thomas Fröhner eine inspirierende Perspektive, die christliche Führung besonders gut zusammenfasst: „Schiffe sind zwar im Hafen sicher, aber nicht für den Hafen gebaut.“

Der Glaube ist nicht dazu da, im Verborgenen zu bleiben, sondern soll aktiv in den Alltag eingebracht werden. Fröhner nutzt dazu verschiedene Wege, um „denkfähig und sprachfähig zu sein”:  tiefgehende Gespräche, Literatur auf langen Autofahrten oder das Lesen von Kommentaren. „Häufig kommt aus dieser Sammlung oder ‚Kopfbi-
bliothek‘ im richtigen Moment das richtige Wort – das berühmte Lichtlein, das man manchmal braucht“, sagt er. Für ihn bedeutet Führung, Menschen Orientierung zu geben, ohne ihnen die Eigenverantwortung zu nehmen. „Wenn jemand mit einem Problem kommt, verweise ich oft auf konkrete Hilfsangebote, sei es die Diakonie oder die Stadtmission. Es geht nicht darum, jemanden zu bekehren, sondern praktische Hilfe zu leisten.“

Ines Fehrmann, die einen Weinbau auf der Talstraße in Cossebaude betreibt, stellt den Gemeinschaftsgedanken in den Vordergrund. „Der Weinbau ist eine ganz besondere Branche. Hier geht es nicht nur um den Ertrag, sondern um das gemeinsame Arbeiten im Team“, erklärt sie. Für sie ist es essenziell, dass der Gemeinschaftsgeist aktiv im Alltag gelebt wird.

Ihre Unternehmenskultur ist von der Überzeugung geprägt, dass ein gutes Miteinander zu mehr Erfolg führt. „Ich versuche, mit meinen Mitarbeitern eine Atmosphäre zu schaffen, in der jeder das Gefühl hat, sich in die Arbeit einzubringen und gleichzeitig zu wachsen“, erklärt Fehrmann. Sie beschreibt ihre Arbeit als eine Art Zusammenarbeit im Einklang mit den natürlichen Prozessen des Weinbaus – ein Prozess, der Geduld und Vertrauen erfordert. „Es ist wie beim Wein: Wenn man nicht in Geduld und Gemeinschaft arbeitet, wird das Ergebnis nicht das beste sein“, meint sie und betont: „Vertrauen und Zuversicht sind mein Anker in schwierigen Zeiten – es hilft, weiterzumachen und nicht aufzugeben.“ Sie verweist dabei auf ihre Erfahrung mit den Unwägbarkeiten des Weinbaus: „Nach der zweiten Frostnacht in der letzten Saison habe ich gesagt: ‚Ich kann es nicht ändern.‘ Aber ich habe weiter darauf vertraut, dass es irgendwie gut wird. Und zwei Wochen später kam die Wärme zurück, und die Pflanzen trieben wieder aus.“ Ihr Leitspruch „All eure Dinge lasst in Liebe geschehen“ (1. Kor 16,14) spiegelt sich auch in ihrer Haltung wider – einer Haltung, die nicht nur für den Umgang mit der Natur, sondern auch für zwischenmenschliche Beziehungen entscheidend ist.

Und was bedeutet Erfolg aus einer christlichen Perspektive? Für Thomas Fröhner ist es nicht nur eine Frage der Zahlen, sondern der Ausstrahlung: „Es geht darum, welche Wirkung wir auf andere haben und welche Werte wir vorleben.“ Für ihn ist dies ein Maßstab, der über kurzfristige Gewinne hinausreicht.

Udo Hinkel sieht Erfolg ähnlich: „Wenn wir als Team zusammenwachsen und jeder seinen Platz findet, dann ist das für mich Erfolg.“ Um den Zusammenhalt zu stärken, organisiert er regelmäßig Teamveranstaltungen für die Mitarbeitenden und Familien der IGC – vom Sommerfest bis hin zu Segeltörns. Auch Ines Fehrmann definiert Erfolg nicht nur über das Geschäft: „Ich lebe und arbeite hier vor Ort und fühle mich mit der Ortschaft verbunden. Ich möchte die Menschen und die Gemeinschaft um uns herum stärken und langfristig positive Spuren zu hinterlassen.“

Die vier sind sich einig: Christliche Werte sind keine abstrakten Ideale, sondern eine Haltung, die auch den Arbeitsalltag prägen sollte. So kann Führung gelingen, die Verantwortung und Gemeinschaft in den Mittelpunkt stellt, und in der der Glaube eine tragende Rolle spielt.

Susanne Uhl und Margarete Aichinger