Wo stehe ich im Leben?

Systemische Aufstellung

vom , verfasst von Michael Leonhart

Porträt Elisabeth Humboldt
Foto: M. Leonhart

Steigender Beratungsbedarf in vielen Lebenswelten hat Elisabeth Humboldt motiviert, neue Wege zu gehen. So hat die Gymnasiallehrerin für Evangelische Religion, Englisch und Musik auch Abschlüsse in psychologischen Ausbildungen erworben. Eines ihrer Tätigkeitsfelder ist die systemische Aufstellung. Dabei geht es um eine neue emotionale und körperliche Wahrnehmung. Im November wird die 56-jährige Dresdnerin eine Aufstellung als Einführung in diese Art der generationsübergreifenden biografischen Gruppenarbeit in der Hoffnungskirche anbieten. Der geistliche Rahmen dazu wird Psalm 139 sein.

Frau Humboldt, ein Text aus der Bibel wird bei Ihrer geplanten Aufstellung den Rahmen bilden. Welchen Gedanken verbinden Sie damit?

Gerade der Psalm 139 zeigt, dass wir von Gott her als vollkommene Geschöpfe gedacht sind. Aber in unserem Leben läuft nicht alles perfekt. Zeitgeschichtliche Ereignisse prägen uns, die Eltern und Großeltern, unser ganzes Umfeld. Die Aufstellung geht in dieses Spannungsfeld hinein. Es ist in gewisser Weise eine Erkundungsaufstellung. Wo stehe ich aktuell im Leben und wie kann ich mich selbst und andere darin würdigen?

Wie funktioniert eine systemische Aufstellung?

Eine Aufstellung kann sich an einer persönlichen oder organisatorisch-gesellschaftlichen Fragestellung orientieren. Aus der Wahrnehmung räumlicher Nähe oder Distanz der Teilnehmenden zueinander sowie der Fokussierung auf eigene sensorische Impulse entwickelt sich ein angeleiteter Prozess, der bisher ausgefilterte Zusammenhänge klarer in die Sichtbarkeit bringen kann. Biografische Arbeit ist das Thema.

Welches Modell der Aufstellung ist dabei hilfreich?

Es geht mir um die Integration und Akzeptanz von Lebensprozessen und die Frage: Wie blicke ich auf bisherige biografische Stationen? Dabei hilft mir das Modell des Lebensintegrationsprozesses von Wilfried Nelles mit den Stufen Kind im Mutterleib, Kind, Jugendlicher, Erwachsener, alter Mensch. Auch der Tod ist Teil unseres Lebens. Die Teilnehmenden können einen selbstgewählten Biografieabschnitt bewusst anschauen und der Frage nachgehen, welche körperlichen Empfindungen und Gefühle sich dabei zeigen. Dabei werden auch die Perspektiven der dreidimensionalen Raumsprache einbezogen.

Würden Sie so weit gehen, Aufstellung als Seelsorge zu betrachten?

Für mich ist Aufstellung ein Instrument der Seelsorge, gerade in der Kombination mit der Bibel. In der Aufstellung können Momente der eigenen Biografie, durch gegenseitige Unterstützung der Teilnehmenden als spiegelnde Stellvertretung in verschiedenen Rollen, angeschaut werden. Vordergründig ist bei der Aufstellung die Gesprächsebene zurückgenommen und das Erleben aller fünf Wahrnehmungskanäle unmittelbarer. Dies kann ein neuer Weg sein zur Innenseite unseres Lebens, aber auch zu Gott. Die Veranstaltung kann nur eine Einführung in diese seelsorgerische Arbeitsweise sein und ist nicht für Menschen geeignet, die sich in einer akuten Krise befinden.

Was würde die Aufstellung in Verbindung mit dem Psalm 139 für Sie zu einem Erfolg machen?

Wenn deutlich würde, dass von Gott her gesehen unser Leben wertvoll ist, auch wenn aus unserer Sicht nicht immer alles einfach und gut war. Durchaus im Sinne einer Würdigung des Gedankens, dass wir alle Sünder und Gerechte zugleich sind.

Das Interview führte Michael Leonhart.

Eingeladen sind alle Interessierten ab 21 Jahren (maximal 12 Teilnehmende).
Teilnahme nur nach Anmeldung an Frau Humboldt (office@humboldteffects.com).
Die Veranstaltung ist kostenlos, Spenden sind willkommen.

  • Aufstellung
    Freitag, 13. November
    17:00–20:00 Uhr
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